Ein wichtiges Anliegen der SGS ist es, den sportwissenschaftlichen Nachwuchs gezielt zu fördern. Das Ziel des 1. Nachwuchs-Workshops bestand zum einen darin, über Promotions‐ und Habilitationsmöglichkeiten im Bereich Sportwissenschaften zu informieren. Zum anderen ging es darum, die Förderbedürfnisse der Nachwuchs-Sportwissenschaftler/‐innen zu ermitteln, damit zukünftig bedarfsorientierte Massnahmen ergriffen werden können. Zudem sollte der Workshop den Nachwuchswissenschaftler/‐innen verschiedener Institute die Möglichkeit bieten, sich gegenseitig kennenzulernen.
Den Einstieg in den Workshop nahm Prof. Dr. Bernard Marti, Präsident der SGS, vor. In seinen Begrüssungsworten stellte Bernard Marti kurz die Entwicklung der Schweizer Sportwissenschaften und der Sportwissenschaftlichen Gesellschaft der Schweiz dar. Im Anschluss wurden die Teilnehmenden durch Prof. Dr. Uwe Pühse, Vorsteher des Instituts für Sport und Sportwissenschaften der Universität Basel, zu dem Workshop begrüsst. Schliesslich wurde der Workshop durch Dr. Markus Gerber, Verantwortlicher für wissenschaftliche Nachwuchsförderung der SGS, eröffnet. In seinem Einstiegsreferat zeichnete er am Beispiel des Instituts für Sport und Sportwissenschaften der Universität Basel auf, wie sich die Sportwissenschaften in der Schweiz seit der Jahrtausendwende entwickelt haben. Die zunehmende Popularität der Sportwissenschaften als Studienfach, die zunehmende Akademisierung und Ausdifferenzierung der Studiengänge (weg von einem Sportlehrerstudium hin zu Bachelor- und Masterstudiengängen mit inhaltlich unterschiedlicher Ausrichtung) können dabei als „symptomatisch“ für die Entwicklungen in den Schweizer Sportwissenschaften betrachtet werden. Die Einrichtung von Promotionsmöglichkeiten an verschiedenen Universitäten der Schweiz stellt ein Meilenstein in der Entwicklung der Schweizer Sportwissenschaften dar. Zum einen erhalten die Studienabgänger die Möglichkeit, sich mit einer Promotion ein individuelles Profil zu schaffen und sich damit auf dem Stellenmarkt günstig zu positionieren. Andererseits scheint eine Promotion je länger je mehr zu einer notwenigen Voraussetzung zu werden, um in den Sportwissenschaften eine Karriere im Bereich Forschung und Lehre einschlagen zu können. Den sportwissenschaftlichen Instituten hilft die zunehmende Anzahl an Promovenden/-innen, den gestiegenen Ansprüchen an Qualität und Quantität von Forschung gerecht zu werden.
Im Hauptteil des Nachwuchsworkshops stellten Vertreter aller Schweizer Institute mit Promotionsstudien die Promotions- und Habilitationsmöglichkeiten in ihren Instituten und Fakultäten vor. Im Spezifischen lieferten die Referenten einen Überblick über die Zulassungsbedingungen, Zuständigkeiten, Promotionsverfahren und das Doktoratsexamen. Gleichzeitig zeigten die Referenten auf, welche Personen derzeit an ihren Instituten zu welchen Themen promovieren. Die Referenten hatten ferner die Möglichkeit, über persönliche Erfahrungen während des Promotionsstudiums zu berichten. Ausserdem wurden von ihnen die Professoren benannt, die an ihren Instituten Promotions- und Habilitationsarbeiten betreuen können. Darüber hinaus wurden die Möglichkeiten zur Habilitation an den jeweiligen Instituten und Fakultäten erläutert und ein Überblick über laufende Habilitationsarbeiten gegeben. Zusammenfassend ging aus den Referaten hervor, dass mittlerweile eine Promotion im Bereich Sportwissenschaft an Schweizer Universitäten keinen Seltenheitscharakter mehr aufweist. Promotionsarbeiten werden derzeit in den verschiedensten Wissenschaftszweigen geschrieben. Indes ist ein klarer Trend ersichtlich, dass das traditionelle Modell der Dissertationsschrift als Monographie über die meisten Fachgebiete hinweg wenig ausgedient hat. Die meisten Promovierenden streben derzeit eine kumulative Dissertation an. Dabei zeigt sich, dass die Anforderungen an kumulative Dissertationen in den einzelnen Universitäten unterschiedlich hoch ausfallen oder ungleich stark reglementiert sind. Ebenso ergibt sich aus den Vorgaben erheblicher Interpretationsspielraum, welche Leistungen als „promotionsadäquat“ zu betrachten sind (z.B. Publikationssprache, Niveau der gewählten Zeitschriften).
Der zweite Teil der Veranstaltung beschäftigte sich mit der Ermittlung von Förderbedürfnissen durch die Nachwuchsforschenden selbst. Dazu präsentierte Dr. Erin Gerlach, Vorsitzender des Vereins zu Förderung des Sportwissenschaftlichen Nachwuchses der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs), zunächst einige Informationen (pdf, 807 KB) zur Nachwuchsförderung in Deutschland. Sein Input zeigte, dass der Bereich Nachwuchsförderung in Deutschland schon sehr weit entwickelt ist, dass sich umgekehrt durch die „Gnade der späten Geburt“ für die Nachwuchsförderung in der Schweiz die Möglichkeit ergibt, aus den Vorerfahrungen der dvs zu lernen und die Angebote auf die spezielle Situation in der Schweiz auszurichten.

Den Abschluss der Veranstaltung stellte eine Diskussionsrunde zu den Förderbedürfnissen der Schweizer Nachwuchswissenschaftler/-innen dar. Gewünscht wurde von den Teilnehmenden insbesondere die Durchführung von Methodenworkshops (z.B. Strukturgleichunsanalysen, qualitative Forschungsmethoden), Schreib- und Publikationsworkshops (z.B. Tipps von Journal Editor), die Einrichtung eines Reporting-Systems von ehemaligen Doktorierenden, eine Postgraduate-Conference (für Masterabgänger und Doktorierende) sowie Hinweise zur Karriereplanung. Ebenso erwünscht war ein Wissensaustausch zwischen den Nachwuchsforschenden (z.B. Bereitstellen von Informationen hinsichtlich lohnenswerter internationaler Nachwuchs-Workshops, Summer Schools, Veranstaltungen zur Anrechnung an Promotionsstudien, etc.). Ebenfalls gefordert wurde ein Verzeichnis mit möglichst allen Nachwuchsforschenden in der Schweiz. Diskutiert wurde schliesslich auch, ob durch die Durchführung von SGS-Veranstaltungen in englischer Sprache die Teilnahmequote von Nachwuchsforschenden aus der französisch sprachigen Schweiz verbessert werden könnte.

Abschluss der Veranstaltung bildete der Apéro im Kollegienhaus sowie das fakultative Nachtessen in der Tapadera, wo von den Teilnehmenden verschiedene Debatten bei mexikanischer Verköstigung weitergeführt wurden.